Blog Leitungsteam


Das Leitungsteam mit Dolmetscherin: Lily Abe, Kirsten Hasenpusch, Peter Wiese und Maria Acs (v.l.n.r.), Foto: dsj

Hier bloggt das Leitungsteam der deutschen Delegation: Kirsten Hasenpusch, Peter Wiese und Maria Acs


Die letzten Tage...

Der 46. deutsch-japanische Simultanaustausch ist bereits zum Ende gekommen und die gesamte Delegation ist gut und sicher in Frankfurt angekommen. Trotzdem möchten wir natürlich noch von unserer Zeit im letzten Teil des Regionalprogramms und beim abschließenden Zentralprogramm II in Tokio berichten. 

Für uns ging es beim dritten Teil des Regionalprogramms in die Stadt Kochi auf die Insel Shikoku; die kleinste der vier japanischen Hauptinseln. Unser Programm begann mit dem offiziellen Höflichkeitsbesuch im Rathaus der Stadt, wo wir gemeinsam mit der Gruppe aus den Sportjugenden Rheinlandpfalz und Saarland vom Vizebürgermeister der Stadt begrüßt wurden. Der Besuch war zwar recht steif und förmlich, aber die Reden der Vertreter und auch der Gruppenleiterin Alison sowie der anschließende Austausch von Gastgeschenken waren sehr freundlich und zuvorkommend. Es ging dann alles recht schnell über die Bühne und so verließen wir das Rathaus wieder und machten uns auf den Weg zur Begrüßungsfeier. 
Unsere Dolmetscherin Lily hatte uns bereits im Vorfeld erzählt, dass Kochi zu den stolzesten Präfekturen des Landes gehört. Dies konnten wir gleich bestätigen, als uns der Vorsitzende des Stadtsportbundes erzählte, dass der beste Fisch des Landes aus Kochi kommt und eines der schönsten Schlösser Japans dort steht. Im Nachhinein müssen wir fairerweise zugeben, dass er mit beiden Punkten nicht ganz Unrecht gehabt hat. Der regionale „Bonito“-Fisch, welcher uns an diesem Abend serviert wurde, zählte tatsächlich zu den besten Sashimi, die uns auf unserer Reise serviert wurde.

Am nächsten Morgen durften wir eine beeindruckende Tempelanlage besichtigen, auf dessen Gelände sich auch ein großer Botanischer Garten befindet, der nach dem japanischen Botaniker Makino Tomitaro benannt wurde. Makino stammt aus Kochi und hat sich durch die Klassifizierung, Benennung sowie sehr präzise Detail-Zeichnungen unzähliger Pflanzenarten verdient gemacht. Sowohl der Tempel als auch der botanische Garten haben uns sehr gefallen. Durch die extreme Luftfeuchtigkeit fühlten wir uns allerdings die ganze Zeit so, als würden wir in einem großen Tropenhaus sein; nur, dass es keinen Ausgang zu angenehm kühlerer Luft gab. 
Im Anschluss fuhren wir zu einer nahegelegenen Turnhalle, um dort mit einigen Kindern und Jugendlichen ONIGOKKO zu spielen - die japanische Version von „Capture the Flag“. Ziel war es in die gegnerische Hälfte des Spielfeldes vorzudringen, einen Pylon zu berühren, bevor man von einem Gegenspieler beidhändig abgeschlagen wird. Besonders den Basketballern aus der Gruppe gelang das sehr gut. 

Der darauffolgende Tag stellte für uns eine Besonderheit dar, denn wir hatten zum ersten Mal auf dieser Reise einen freien Tag, den wir selbstbestimmt gestalten konnten. 
Nach einem etwas ausgiebigeren Frühstück haben wir die Zeit gleich für ein weiteres kulturelles Highlight genutzt. Wir haben uns das Schloss Kochi inklusive dem historischen Museum des Schlosses angeschaut. Das Wetter hätte zwar besser zu einem Strandtag gepasst, denn es war super heiß sowie  wolkenlos sonnig und der Aufstieg zum Schloss hat uns einige Schweißperlen gekostet, aber am Ende wurden wir mit einer tollen Panorama-Aussicht belohnt. 
Nach dem Schloss sind wir über den direkt angrenzenden Wochenmarkt geschlendert und haben uns die frischen Spezialitäten sowie regionalen Leckereien angeschaut. Das ein oder andere, wie z.B. die berühmten Kochi-Kekse (eine Art salzige Cracker) oder auch die Süßkartoffel-Chips haben ihren Weg in unsere Einkaufstüten gefunden. 
Den Nachmittag haben wir dann nochmal ganz japanisch verbracht, nämlich in einem öffentlichen Onsen. Die Außenbecken mit Naturstein und Ausblick auf den Fluss haben sehr zu unserer Entspannung beigetragen. Und als ob das nicht schon genug der Entspannung war, wurde uns beim Rausgehen auch noch angeboten eine Massage-Liege auszuprobieren. 
Den Abend haben wir in einer großen Markthalle mit ganz vielen kleinen Essens-Ständen verbracht. Dort konnten wir die vielen Touristen sowie Einheimischen bei ihrem lauten und lustigen Treiben beobachten.

Am nächsten Tag ging es auch schon zu unserer letzten Station und zum Zentralprogramm II nach Tokio. Wir haben uns im Prince Hotel Shinagawa eingefunden und wurden ganz herzlich von den Kolleg*innen der JJSA begrüßt. Den ersten Abend konnten wir uns noch auf die Anreise der Regionalgruppen vorbereiten und einige Besprechungen durchführen. Den Vormittag des nächsten Tages nutzten wir selber für ein wenig Sightseeing, aber ab 13 Uhr waren wir startklar am Infodesk, um die Gruppen persönlich begrüßen zu können. Den Anfang machte Niedersachsen und es ging kurzzeitig zu wie im Taubenschlag, aber um ca. 17 Uhr waren alle Gruppen eingecheckt und konnten selbstständig die Stadt erkunden. Puh, wir waren einfach sehr froh, dass alle wohlbehalten und gesund wieder da waren!

Am Abend durften wir eine schöne und wichtige Tradition fortführen und die Kolleg*innen der JJSA zum gemeinsamen Abendessen einladen, um die langjährige gute Zusammenarbeit entsprechend zu würdigen. Diese hatten ein wirklich großartiges Restaurant ausgesucht und es wurde ein sehr lustiger Abend mit vielen anregenden Gesprächen und ausgezeichnetem Essen. 
Den ganzen nächsten Tag durften die Teilnehmenden die Stadt selbstständig erkunden und kennenlernen. Wir sind auch nochmal auf eigene Faust losgezogen und haben uns ein paar Highlights angeschaut, wie z.B. die Shibuya Kreuzung. 
Herr Nara von der JJSA hatte uns außerdem noch in die neue Geschäftsstelle der JJSA eingeladen. Ein seit Mai 2018 neu bezogenes Gebäude, direkt am neuen Olympia-Stadion. Wir durften also aus der 12. Etage die atemberaubende Aussicht mit den angrenzenden Stadien (Olympia, Baseball) bewundern sowie die Entwicklungen auf der Baustelle beobachten. Ein wirklich unverhofftes Highlight!
Auf dem Rückweg dämmerte uns, dass nun der letzte Abend angebrochen war und mit der anstehenden Sayonara-Party das Ende des Simultanaustausches in unmittelbar greifbare Nähe rückte. Gestärkt von uns empfohlenen, mitunter den besten Ramen, die wir in unserer Zeit in Japan gegessen haben, ging es dann zurück zum Hotel.

Als es an der Zeit war auf Wiedersehen zu sagen, präsentierten unsere Gruppen ihre Darbietungen, sangen Lieder und tanzten gemeinsam mit einigen japanischen Leadern. Emotional wurde es dann bei der Abschlussrede von Kaissa und Mitja, sowie beim abschließenden Film, welcher Fotos und Videos der vergangenen Tage zeigte. 

 „Fremde sind Freunde, die sich noch nicht kennen“ – dieser Spruch, mit dem Kiki die Teilnehmenden ins Abendprogramm verabschiedete, könnte nicht besser zu unserem Austausch passen und bildet somit auch den Schlusspunkt für unseren Blog.


The Saga begins...

Die ersten acht Tage des Simultanaustausches vergingen für uns wie im Flug. Jetzt sind wir bereits auf dem Weg zur dritten Gruppe im Regionalprogramm (Rheinland-Pfalz/Saarland) und berichten von unseren Erlebnissen der vergangenen Tage mit der Gruppe der Sportjugend NRW. Wie wir bereits im letzten Beitrag erwähnten, ging es für uns nach dem ersten Regionalprogramm mit der Fähre und dem Zug in die Präfektur Saga – berühmt für ihre Zwiebeln und Lotuswurzeln. Direkt nach der Ankunft in Saga wurden wir im Rathaus der Stadt Shiroishi empfangen, wo der stellv. Bürgermeister der Stadt uns und die Gruppe aus NRW herzlich begrüßte und wir auch das erste Mal unsere Regionalbetreuer*innen kennenlernen durften. 
Nach dem Austausch von Gastgeschenken und einem netten sowie von der japanischen Seite sehr interessierten Gespräch ging es für uns alle weiter zum offiziellen Empfang der Gemeinde. Die Teilnehmenden trafen dort das erste Mal auf ihre Gastfamilien. Auch für uns war es eine besondere Situation, da wir bisher auf dieser Reise noch nicht die Gelegenheit bekommen haben, dies hautnah mit zu erleben. Dabei ist uns aufgefallen, dass besonders die sehr jungen Gastgeschwister es schaffen das Eis sehr schnell zu brechen. Die Stimmung beim Empfang war allgemein sehr freundlich, jedoch noch recht förmlich und zurückhaltend. Das hat sich jedoch bereits im Laufe des folgenden Tages ganz schnell geändert. Den zweiten Tag in Shiroishi verbrachten wir in der High School der Stadt. Als erster Punkt auf der Tagesordnung stand Kendo auf dem Plan. Kendo bedeutet übersetzt „Der Weg des Schwertes“ und ist eine Sportart, die sich aus dem traditionellem Schwertkampf der Samurai entwickelte. Wie bei allen japanischen Budo-Sportarten, steht auch beim Kendo nicht nur der sportliche Wettkampf, sondern auch die mentale und moralische Ausbildung der Sportler*innen im Fokus. Bevor wir uns jedoch im Umgang mit dem Schwert beweisen konnten, mussten wir erst einmal den Kendo-Gi und den Rumpfschutz anlegen. Auf einen Kopf- und Unterarmschutz durften wir verzichten, da wir an diesem Tag nur in einer angreifenden Rolle aktiv wurden. Nachdem wir vollständig angekleidet waren, durften wir gemeinsam mit den japanischen Kendo-Schüler*innen verschiedene Reaktionsübungen machen und sogar eine Zeitung mit einem Holzschwert zerteilen. Danach wurden wir in deutsch-japanische Tandems aufgeteilt und die ersten Paar-Übungen wurden durchgeführt. Die Japaner*innen trugen die vollständige Schutzausrüstung, so dass wir auch Schläge auf den Kopf und die Arme ausführen konnten. Anfangs haben wir dabei noch eher zögerlich zugeschlagen, nachdem wir aber gesehen haben, wie die Kendoka die Schwerthiebe durchgezogen haben, wurden auch unsere Schläge immer härter und präziser. Insgesamt war die Einheit Kendo für uns sehr interessant und eine gelungene Abwechslung zu unseren Heimsportarten. Im Anschluss an das Kendo durften unsere Teilnehmenden zusammen mit den japanischen Schüler*innen einer inklusiven Sportgemeinschaft Boccia spielen. Dies war gleichzeitig eine optimale Einstimmung für die Diskussion des Jahresthemas „Inklusion“, welche im Anschluss daran stattfand.  Nach dem Schulbesuch ging es für uns als Leitungsteam kulturell weiter. Da am Abend kein weiteres Programm von offizieller Seite mehr geplant war, entschieden wir uns den Abend gemütlich beim Karaoke ausklingen zu lassen, da es in unseren Augen auch zur japanischen Kultur gehört (und wir alle auch einfach sehr gerne singen!). Allerdings darf man sich das Karaoke in Japan nicht wie die europäische Variante vorstellen. Anstelle einer offenen Bühne in einer Bar oder Kneipe, gibt es in Japan viele einzelne Kabinen, in der man nur dem Gesang der eigenen Begleitungen lauschen darf. Uns hat das Konzept so gut gefallen, dass wir unsere geplante Stunde gleich mal verdoppelt haben. Wir haben also unser neues Hobby gefunden. Am nächsten Morgen ging es für uns munter in schönster Natur weiter. Mit einigen Grundschüler*innen der Stadt kochten wir Reis über einem offenen Feuer mit dem sogenannten Hango, eine Art Camping-Kocher für Reis. Dafür mussten wir zuerst Holz hacken, die Feuerstelle vorbereiten und den Reis gründlich waschen. Für manche unserer Teilnehmenden waren diese Aktivitäten bereits eine Premiere. Der Reis wurde mit einer ausreichenden Menge an Wasser in das Hango gegeben und über dem offenen Feuer gekocht. Zum Reis gab es dann Curry; das hat uns gut geschmeckt. 
Nach diesem Exkurs in die japanische Camping-Küche, fuhren wir zu einem High-School-Kultur-Fest, bei dem sich die besten Schul-Musikgruppen des Landes miteinander gemessen haben. Dadurch, dass wir bereits in Kagoshima selbst die japanischen Trommeln ausprobieren durften, konnten wir nun recht gut die beeindruckende Virtuosität der Vorführungen einschätzen. Die Performances übertrafen dann aber doch unsere Erwartungen! Alle Gruppen überzeugten mit einer unglaublichen Mischung aus Präzision, Eleganz und Geschwindigkeit in ihrem Spiel, wunderschönen traditionellen Kostümen und sehr spannenden Choreografien. Die Taiko-Trommeln wurden bei einigen Gruppen sogar noch mit Glockenspielen oder Flöten ergänzt, die das musikalische Endergebnis weiter abrundeten. Unser Highlight war die Gruppe, bei der mitten im Auftritt eine der Trommlerinnen nach vorne trat, mit ihrer sagenhaften Stimme dem gesamten Publikum den Atem raubte, während die anderen mit ihren Trommeln im Hintergrund etwas ruhigere Töne anschlugen.  Unser letzter Tag in Shiroishi begann mit der Besichtigung des Yutoku-Inari-Schreines - der drittgrößte seiner Art in Japan - der dem Gott Inari (= der Gott der Landwirtschaft) geweiht ist. Der Schrein begeisterte uns nicht nur durch seine schiere Größe, sondern auch durch die gelungene Einbindung in die umliegende hügelige Landschaft. Ein ganz besonderes Naturerlebnis konnten wir bei der anschließenden Wattwanderung erleben. Während wir wahlweise knöchel- bzw. knietief im warmen, klebrigen Schlamm wateten konnten wir dabei kleine Krebse und Fische beobachten.  Zum Abschluss unseres Aufenthalts gab es am Abend noch die regionale Sayonara-Party mit allen Gastfamilien, Regionalbetreuer*innen und einigen Funktionären. Dort konnten wir uns noch einmal recht herzlich für die fürsorgliche Betreuung in Shiroishi bedanken. Die Teilnehmenden haben gemeinsam mit ihren Gastfamilien bei einem leckeren Essen den letzten Abend eingeleitet. Besonders rührend wurde es, als alle anwesenden Japaner*innen aus voller Brust das Volkslied „Furusato“ (=Heimat) sangen. Für uns war es wirklich schön zu sehen, wie sich die einzelnen Teilnehmenden mit ihren Gastfamilien verstanden und wie aus der anfänglichen Zurückhaltung ein vertrauter und sehr fröhlicher Umgang entstanden ist. Auch dieser Abschied wird wohl recht tränenreich werden.  

29. Juli 2019: Im Rhythmus Japans - Das Regionalprogramm

Nach der erfolgreichen Verabschiedung aller Gruppen in Osaka geht es auch für uns als Leitungsteam in die Regionen. Wir werden im Laufe der nächsten zwölf Tage insgesamt drei Gruppen besuchen. Unseren ersten Stopp hatten wir bei der Gruppe der Bayerischen Sportjugend auf der Insel Kyushu, der südlichsten der vier japanischen Hauptinseln. Genauer gesagt führte uns unser Weg nach einem kurzen Inlandsflug und einer etwas längeren Busfahrt in die Präfektur Kagoshima. Den Abend nutzten wir, um uns in einem kleinen Restaurant auf die kommenden erlebnisreichen Tage in der Präfektur einzustimmen.

Am ersten Tag im Regionalprogramm jagte ein Höhepunkt den nächsten. Während des gesamten Tages konnten wir an verschiedenen Stationen unser Rhythmusgefühl unter Beweis stellen. Am Morgen durften wir uns gemeinsam mit den Teilnehmenden der Bayerischen Sportjugend und einigen japanischen Grundschüler*innen an den traditionellen japanischen Taiko-Trommeln ausprobieren. Unsere Instrumente waren ungefähr hüfthoch und erzeugten einen sehr kräftigen dunklen Bass-Ton, dessen Schwingungen sich unmittelbar beim Spielen auf den Körper übertrugen. Dadurch war es für die meisten von uns nach einer gewissen Eingewöhnungszeit auch recht einfach, ein Gefühl für die vom Meister vorgespielten Rhythmen zu bekommen.

Als zweiter Punkt des Tages stand Angeln auf dem Plan. Einige der Teilnehmenden und auch wir waren im Vorfeld etwas skeptisch, da wir uns bisher nicht für den Angelsport begeistern konnten. Als wir jedoch an einem Fluss mitten im Wald ankamen und die absolute Naturidylle erlebten, waren wir total begeistert. Als der erste Fisch an der Angel hing, war die anfängliche Skepsis verschwunden und wir haben die Zeit am Fluss sehr genossen. Das Angeln stellte uns aber auch vor einige Herausforderungen. So mussten wir auch hier den richtigen Rhythmus finden, damit der Fisch aus dem Wasser kam und wir nicht nur unsere Köder als Fischfutter im Fluss ließen. Eine weitere Besonderheit erwartete uns dann am Mittagstisch. Einige Tische waren mit einer speziellen Vorrichtung für sogenannte „nagashi somen“ (= fließende Nudeln) ausgestattet. Das ist eine kreisrunde offene Röhre, in der ein Wasserstrudel erzeugt wird. In diesen Strudel gibt man dann die Nudeln, sodass sie im Kreis schwimmen. Anschließend werden diese dann wieder mit den Stäbchen eingefangen, in Sojasoße getaucht und gegessen. Diese Art des Essens ist sehr bekannt für die Präfektur Kagoshima und war für alle Beteiligten eine witzige Angelegenheit.

Für die ganze Gruppe ging es anschließend zur Ankleidung des sogenannten Yukata, dem Sommer-Kimono. Mit Hilfe von vier japanischen Frauen haben wir es alle geschafft, die recht komplexe Ankleideprozedur zu einem sehr erfolgreichen Abschluss zu bringen. Alle Teilnehmenden und auch wir als Leitungsteam sahen umwerfend in den Yukata aus. Entsprechend gekleidet wurde dann erneut unser Rhythmusgefühl herausgefordert. Unter den strengen Blicken einer Meisterin wurde uns der traditionelle japanische Tanz „Sakura“ beigebracht. Wir hatten sehr viel Spaß beim Erlernen der Schritte und dem richtigen Schwenken des Fächers, so dass wir am Ende auch ein ganz passables Bild abgegeben haben.

Nachdem wir bisher auf der Reise das Meer immer nur aus der Ferne gesehen haben, ging es für uns am zweiten Tag mit der bayerischen Gruppe zum Stand-Up-Paddeln und zum Sea-Kajak. Dort konnten sich alle im Wasser eine verdiente Abkühlung holen und sich ein wenig sportlich austoben. Anschließend wurden wir in ein klassisches japanisches Restaurant eingeladen, saßen traditionell auf Tatami-Matten und aßen „Tempura“, eine weitere japanische Spezialität. Als wir dann mit unserer Gruppe zur nächsten Station fuhren, erwartete uns eine kleine Überraschung. Wir durften kurz beim japanischen Jugend-Sumo zuschauen und konnten dadurch hautnah erleben, wie die Sumo-Kämpfer trainieren.

Auch der nächste Tag startete wieder sportlich. Auf einer Mountainbike-Rundstrecke stellten die Teilnehmenden ihr Können unter Beweis, was vor allem den radbegeisterten bayerischen Teilnehmer*innen sehr gut gelang.

Das Highlight dieses Tages war jedoch das gemeinsame Kochen und Essen mit japanischen Highschool-Schüler*innen. Zuerst wurde Klebereis mit Zucker und Beifuß zur „totemo oichii“ Nachspeise Kesen-Dango verarbeitet, von der wir am gesamten Tag nicht genug essen konnten! Zeitgleich hat ein anderer Teil der Gruppe mit den Japaner*innen vier verschiedene Arten von Sushi vorbereitet. Die fertigen Gerichte haben uns sehr gefallen. Wichtiger war jedoch, dass durch das gemeinsame Kochen mit den Jugendlichen bereits das Eis für die anschließende Diskussion des Jahresthemas „Inklusion“ gebrochen wurde. Dort konnte sich die bayerische Gruppe gemeinsam mit den Schüler*innen austauschen und erfahren, wie in Japan mit diesem Thema umgegangen wird.

Da dies für die Gruppe und uns der letzte Tag in der Präfektur Kagoshima war, gab es am Abend noch eine Sayonara-Party mit allen Betreuern und Funktionären der Präfektur.

Für uns geht es jetzt mit der Fähre weiter zur Gruppe der Sportjugend NRW, die unter dem Namen „Zander-Cruises“ unterwegs ist.

26. Juli 2019: Zwischen Jetlag und Abenteuer

Wir hatten die Gelegenheit, einen ersten Blick auf die Stadt Osaka zu werfen. Am Abend wurde es offiziell mit der Eröffnungsveranstaltung, bei der uns Masafumi Izumi als Vorsitzender der JJSA begrüßte und uns allen einen erfolg- und erlebnisreichen Austausch wünschte. Im Anschluss erwiderte unsere Delegationsleiterin Kiki die herzlichen Worte und das erste japanische Festmahl wurde eröffnet. Bei vielen Teilnehmenden konnten wir sehen, dass sie in der Heimat fleißig das Essen mit Stäbchen geübt haben. So gelang es den meisten trotz der Müdigkeit gut, die kleineren und größeren Häppchen zielsicher zum Mund zu führen. Für uns als Leitungsteam geschah dann das Undenkbare: einige der Teilnehmenden kamen tatsächlich zu uns und haben gefragt, ob sie denn jetzt schon ins Bett gehen können. 
Der nächste Tag im ersten Zentralprogramm war vollgepackt mit Highlights. Es ging mit der gesamten Gruppe in die Kaiserstadt Kyoto. Der erste Stopp führte uns zum Goldenen Palast, einer pompösen Residenz eines historisch bedeutenden Shoguns aus dem 14. Jahrhundert. Der Palast liegt höchst idyllisch und bietet hervorragende Motive für Bilder jeglicher Art, die bereits den Weg auf sämtliche Social-Media-Kanäle unserer Teilnehmenden gefunden haben. Das zweite Ziel war das Schloss Nijo, das im Vergleich mit europäischen Schlössern eher schlicht, aber dennoch eindrucksvoll daherkommt.

Uns ist besonders aufgefallen, dass die Räume zwar unmöbliert und lediglich mit Tatamimatten ausgelegt sind, dennoch durch die großflächige kunstvolle Wandgestaltung eine beeindruckende Erhabenheit ausstrahlen. Unser letztes Tagesziel war der buddhistische Tempel Higashi Hongang, eines der größten Holzgebäude der Welt. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs fand in diesem Tempel ein Ritual für ein verstorbenes Familienmitglied statt, dem die Öffentlichkeit und damit auch unsere Gruppe andächtig beiwohnen durfte. Der rituelle Gesang der buddhistischen Mönche hatte etwas Meditatives und Beruhigendes. Auch der Tempel selbst strahlte eine Ruhe und feierliche Stimmung aus, die unsere große Gruppe kurzzeitig innehalten ließ. Am Abend trafen die Gruppen dann zum ersten Mal auf ihre Dolmetscher*innen und auch die ersten Regionalbetreuer*innen. Bei einem sehr vielseitigen und leckeren Essen wurden die ersten Höflichkeiten ausgetauscht sowie auch schon die ersten Scherze gemacht. Aus unserer Perspektive war es sehr schön zu beobachten, wie sich die einzelnen Gruppen mit ihren Dolmetscher*innen und Regionalbetreuer*innen näherkamen und sich aus den verhaltenen Anfängen sich rege Gespräche entwickelten. Damit hatten wir ein gutes Gefühl, die Gruppen am nächsten Tag in die Regionalprogramme zu verabschieden.

Für uns bedeutete dies aber auch, dass wir bereits um 5 Uhr aufstehen mussten, damit wir der ersten Gruppe noch ein paar herzliche Worte mit auf den Weg in ihre Region geben konnten. Die anderen Gruppen folgten darauf in unregelmäßigem Abstand. Wir sind schon jetzt sehr gespannt, was die einzelnen Teilnehmenden an Geschichten, Erlebnissen und Erfahrungen mit zum zweiten Zentralprogramm nach Tokio bringen werden und hoffen, dass das Land der aufgehenden Sonne auch unsere Gruppen weiterhin erstrahlen lässt. 


Seite drucken