Noriko Takahashi
Noriko Takahashi kam im September 1969 als Praktikantin für ein Jahr nach Frankfurt/Main zur Deutschen Sportjugend. In Tokyo geboren, hatte sie die deutsche Sprache als ihr Studienfach gewählt, weil ihre Mutter viel von ihrem Großvater erzählte, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Gießen und München studiert und dort eine Dissertationsarbeit geschrieben hatte.
Tokyo richtete 1964 die Olympischen Sommerspiele aus. Norikos großer Wunsch, als Dolmetscherin im Olympischen Dorf zu arbeiten, zerschlug sich. Sie kam ins Olympische Jugendlager und begegnete zum ersten Mal der Deutschen Sportjugend, die dort mit einer großen Delegation von einhundert Mitgliedern vertreten war. Wenn sie gefragt wurde, warum sie nach Deutschland kam, antwortete sie: „Weil ich auf Wunsch meines Klassenlehrers, ins Jugendlager zu gehen, als brave junge Studentin nicht NEIN sagen konnte."
Zu diesem großen Ereignis kam der damalige Jugendminister Dr. Bruno Heck nach Japan. Er traf eine Vereinbarung mit dem Reichstagsabgeordneten Hideji Kawasaki, der Initiator des Internationalen Olympischen Jugendlagers war, einen offiziellen deutsch-japanischen Jugendaustausch zu realisieren. Nach 1964 fanden Jugendbegegnungsprogramme für alle Jugendorganisationen zwischen Deutschland und Japan statt, mit deren Durchführung die dsj vom Bundesjugendministerium beauftragt wurde. 1967 vereinbarte der damalige 2. Vorsitzende der dsj, Hans Hansen, der als Delegationsleiter einer großen Jugenddelegation in Japan war, einen Jugendleiteraustausch mit der JJSA. Noriko Takahashi kam 1969 mit einer Jugendleitergruppe der JJSA nach Deutschland und blieb, wie vereinbart, erst ein Jahr als Praktikantin. Die Realisierung des für damalige Zeit außergewöhnlichen Einsatzes einer ausländischen Praktikantin in der Geschäftsstelle der Deutschen Sportjugend, verdankte sie der Unterstützung von Hans Hansen und dem damaligen 1. Vorsitzenden der Japanischen Sportjugend, Dr. Yuzuru Nozu. Noriko dachte und begründete ihren Wusch damals, die deutsch-japanische Austauschzusammenarbeit sei aufbaufähig und dabei schade es nicht, wenn eine Mitarbeiterin zur Verfügung stehe, die beide Sprachen beherrsche und über Kenntnisse des Jugendsports in den beiden Ländern verfüge. 1972 wurde sie erst bei den Olympischen Winterspielen in Sapporo , dann bei den Sommerspielen in München gebraucht, wiederum für das Olympische Jugendlager.
Der deutsch-japanische Sportjugend-Simultanaustausch besteht seit 1974. Mit Noriko Takahashi hatte die Deutsche Sportjugend nicht nur eine gute Dolmetscherin, sie war und ist eine exzellente Kennerin der außerordentlich komplizierten und komplexen deutschen Sportlandschaft, mit ihren föderalen Strukturen und Förderungssystemen.
Dass zwischenzeitlich ca. 9000 junge Menschen aus beiden Ländern am Simultanaustauschprogramm teilnehmen konnten, ist Norikos Verdienst. Sie prägte den Austausch in ihrer zielstrebigen und immer liebenswerten Art.
Noriko verkörpert aber auch das, was unter einer geglückten Integration zu verstehen ist. Sie ist in Deutschland zu Hause, wie man als Mensch aus einer anderen Kultur überhaupt zu Hause sein kann.
Im Herbst 2006 wurde Noriko Takahashi als dienstälteste Mitarbeiterin des DOSB nach 37 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Zu ihrer großen Freude scheute die dsj nicht, für sie eine große Verabschiedungsparty im November 2006 zu veranstalten, zu der fast 100 Japan-Infizierte kamen. Noriko freut sich über die Wiederbesetzung ihrer Stelle in der Geschäftsstelle durch eine Japanerin, Kaori Miyashita, und über die weitere Entwicklung des Simultanaustausches durch die innovative Arbeit der Arbeitsgruppe Japan. Sie ist froh darüber, dass sie sich als Mitglied der AG Japan weiterhin ihrem Lebenswerk verbunden fühlen kann.
Noriko ist weiterhin fest davon überzeugt, dass der deutsch-japanische Sportjugend-Simultanaustausch, der jedes Jahr mit 125 Jugendlichen neu belebt und in diesem Sinne niemals alt wird, ein ganz geeignetes Mittel ist, um die Ziele der Internationalen Jugendarbeit mit und für Jugendliche umzusetzen, die in den Richtlinien des Kinder- und Jugendplanes des Bundes aufgeführt sind:
- Persönliche Begegnung junger Menschen aus verschiedenen Ländern
- ihr gemeinsames Lernen und Arbeiten
- jungen Menschen helfen
· andere Kulturen kennen zu lernen
· Gesellschaftsordnungen kennen zu lernen
· Internationale Zusammenhänge kennen zu lernen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen
· Eigene Situation besser zu erkennen
· Ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Verständnis und Toleranz entgegenzubringen
jungen Menschen bewusst machen, für die Sicherheit und demokratische Ausgestaltung des Friedens und für mehr Freiheit und soziale Gerechtigkeit in der Welt mitverantwortlich zu sein.
Text: Helmut Lange/Noriko Takahashi/Dieter Haug